Shanty – Was ist das eigentlich?

>Zurück zur Geschichte<

Ein Thema, welches mir schon lange auf der Seele brennt. Generell scheinen die wenigsten zu Wissen, was ein Shanty überhaupt ist und ich habe schon viele verschiedenen Theorien gehört, alle widersprüchlicher, als die Andere. Wie es nunmal so ist, beharrt aber jeder auf seinen Standpunkt und irgendwie kann ich die Leute auch verstehen. Dennoch will ich mal ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Beginnen wir mal mit den verschiedenen Theorien:

Die Theorien MarkierenÖffnen

Doch was ist nun ein Shanty?

Ganz einfach: Ein Shanty ist schlicht und ergreifend ein Arbeitslied der Seeleute. Es hieß damals zwar noch nicht Shanty (denn für diese Lieder gab es keine eigene Bezeichnung), aber diese Bezeichnung ist unter anderem Entstanden, um diese Gattung in eine Schublade packen zu können. Der Begriff „Shanty“ leitet sich vom englischem Wort „chant“ ab, was soviel wie „singen/Gesang“ bedeutet, sowie vom französischem „chanter“, welches ebenfalls „singen“ bedeutet.

Damals gab es noch sogenannte „Vorsänger“, welche nur die Aufgabe hatte ein Lied anzustimmen. Während er sang arbeiteten die Matrosen auf dem Schiff (holten den Anker ein, hissten Segel, arbeiteten am Gangspill etc.) und sangen dabei im Wechselgesang bestimmte Passagen mit, die an einem „Hau-Ruck“ erinnern. Ziel der Musik war es immer die Arbeit zu erleichtern. Demnach war die Qualität des Gesang zweitrangig und auch Instrumente kamen selten zum Einsatz. Richtige alte Arbeits-Shantys findet man heutzutage relativ selten, was aber auch daran liegt, das sie für viele Ohren sehr langweilig und monoton klingen. (Viele Shantys bestehen aus einer extrem einfachen Melodie, welche in Dauerschleife und mit verschiedenen Texten gesungen werden. Viele Melodien gehen nicht länger als 10-15 Sekunden.)

Ein gutes Beispiel eines echten Shantys findet ihr hier:

Typische Shantyinstrumente waren die Mundharmonika, die Fidel und das Banjo. In der irish-Folk lastigen „Shanty“ Musik sind diese Instrumente noch immer weit verbreitet. In Deutschland hat sich das Akkordeon und die Gitarre als typisches Shanty-Instrument durchgesetzt.

 

Unterteilen kann man Shantys in folgende Kategorien:

 

1. Short Drag Shanty, short haul-shanties oder Hand-über-Hand-Shantys

Dies sind Lieder, welche für Arbeiten genutzt werden, wo schnelles ziehen erforderlich ist. Zum Beispiel wenn die Segel gesetzt werden. Aufgrund ihrer Knappheit besitzen diese Shantys meist keinen Refrain.

Beispiel:

 

2. Long Drag Shanty,  halyard-shanties oder walkaway-shanties

Dies sind Lieder, welche für Arbeiten genutzt werden, wo langsames ziehen erforderlich ist. Bei schweren Tätigkeiten, wie zum Beispiel beim aufhängen der Rah oder Gaffel. Da die Lieder in der Regel ein wenig länger sind, findet sich hier auch ein Refrain.

 

3.Capstan Shanty, Gangspill-Shantys

Dieser Shanty wird genutzt, wenn lange und monotone Arbeiten verrichtet werden. Zum Beispiel beim Hissen des Ankers.

 

4. Whaling Shanty

Hier gehören die typischen Lieder der Walfänger hinein. Der Job der Walfänger war wohl von allen Arten auf Schiffen zu arbeiten, die härteste und gefährlichste. Nicht nur das die Route zu den Untieren (meist in kalten und polaren Zonen) extrem gefährlich, sondern auch das Tier selbst. Ein Rammstoß eines Wals oder das Zuschlagen mit dem Schwanz kann ein Schiff zerstören oder Matrosen enorm verletzen. Dennoch war es die Gefahr wert und viele Seemänner nahmen dieses Los auf sich. Und aus dem harten Leben heraus entstanden die Shantys für diese Kategorie.

 

5. Forecastle Shanty

Diese Shantys handeln von Erlebnissen und wurden gesungen, um sich die Langweile an Deck zu vertreiben. Meist sind der Inhalt eigene Erlebnisse oder Erfahrungen bzw. Lebensgefühle der Seeleute.

Ganz besonders wichtig sind dabei folgende Unterkategorien:

 

5.1 Zeremonien-Shanty

Dies sind Lieder, welche gesungen werden, wenn bestimmte Feiern anstehen. Ganz besonders wichtig war die „Dead-Horse“-Feier. Um das zu erklären, muss ich ein wenig weiter ausholen. Meist war es so, dass Seeleute, welche zur See fuhren total arm waren (sie haben ihr Geld in Kneipen ausgegeben oder im Hurenhaus). Deshalb mussten sie sich Geld pumpen, für Ausrüstung, Unterkunft, Essen, für die Vermittlung an ein Schiff und vieles mehr. Da sie das Geld zurückzahlen mussten, versprachen sie ihre erste Monatsheuer an den „Unterstützer“ zu zahlen. Der erste Monat auf See arbeitete also der Seemann symbolisch für ein „totes Pferd“ (machte also keinen Gewinn). Am Ende der Zeit wird aber dafür ein Fest gefeiert. Dafür wird ein Pferd (aus Holz, Tücher, was man halt so auf dem Deck findet) gebastelt, worauf der Matrose über Deck gezogen wurde. Danach wurde das Pferd versteigert, an der Rah aufgehisst, in Brand gesetzt und dem Meer übergeben. Danach endete die Zeremonie. Passend dazu der Shanty:

 

5.2 Homewardbound-Shanty

Hier gehören speziell Lieder herein, welche die Sehnsucht nach der Heimat wecken. Wie zum Beispiel folgender Shanty:

 

Heutzutage hört man Shantys nur noch sehr selten und sie künden von einer Zeit, die lange vorbei ist. Das liegt auch daran, dass viele alte Shantys im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Das lag daran, dass damals Lieder nicht schriftlich festgehalten wurden und nur mündlich weitergegeben wurden. Problematisch daran ist, das Arbeitsshantys selten bis zur letzten Strophe gesungen wurden, da die Arbeit schon eher abgeschlossen wurde. Das führte dazu, dass viele Matrosen die vollständigen Strophen gar nicht kannten und deshalb nur Bruchteile überliefert sind. Desweiteren gab es auch eine relativ tote Zeit von 16Jhd. bis zum Beginn des 19 Jhd., wo es kaum noch Shantys gab. Das lag daran, dass in der britischen Kriegsmarine Shantys verboten wurden und daher die Seeleute keine Verbindung mehr damit hatten.

Die Summe aus dem folgt, dass viele Lieder aus der damaligen Zeit heute nicht mehr zu hören sind und somit verloren gingen. Eigentlich ziemlich schade.

 

Einordnung in die heutige Musik:

Neben den Shantys gibt es noch die Seemannslieder und die Forebittern (Poller-Lieder).

Forebittern sind Lieder, welche auf dem Schiff zur Entspannung gesungen wurden und müssen nicht unbedingt die Seefahrt zum Thema haben. Meist sind es Volkslieder aus der Heimat, welche von den einzelnen Matrosen mitgebracht wurden. Seemannslieder sind Lieder über die See, welche heutzutage entstanden sind und die Seefahrt mehr „romantisieren“, als über wahre Begebenheit und das Leid der damaligen Zeit zu offenbaren.

 

Und kommen wir nun zurück, zu unserer Eingangsfrage. Wo ordnet man Santiano ein? Santiano spielen tatsächlich ein paar Shantys (welche aber modernisiert wurden), die Musik die sie aber vorwiegend spielen sind Seemannslieder. Person 1 hatte also mit seiner Einteilung gar nicht mal so weit daneben gelegen, nur seine Beispiele sind falsch. Das liegt denke ich mal daran, dass viele Shanty-Chöre bevorzugt Seemanslieder spielen, da diese besser beim Publikum ankommen. Da lobe ich mir doch die paar wenigen Shanty-Chöre, welche ihre Wurzeln nicht vergessen haben und tatsächlich Shantys singen. Ihr leistet wirklich tolle Arbeit!

 

Weiterführende Links und Quellen:

Wikipedia

International Shanty and Seasong Association (ISSA)

Liste sämtlicher international anerkannter (bzw. bekannter) Shantys + Einordnung

 

In diesem Sinne Taylo Ho euch alle!

Freizeitpirat Lucius

2 Antworten auf Shanty – Was ist das eigentlich?
  1. Ulrikeeeeee sagt:

    Ist ein bischen langweilig

    • Lucius sagt:

      Liegt es an etwas bestimmten oder daran, dass es so viel Theorie ist?
      Im groben und ganzen ist es nur eine Aufklärung über den Begriff und welche
      Unterarten es gibt. Daher mehr Bildung als Unterhaltung. Und Bildung spannend
      zu übermitteln ist halt immer schwer. Über eine Begründung der Aussage würde ich
      mich aber dennoch freuen.

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